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Der präzisionsblog zu den themen finanzen, investieren, praxisführung und Karriere

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Dein Versicherungs-Setup als Assistenzarzt oder -ärztin: Was du wirklich brauchst – und was nicht

Assistenzarzt am Schreibtisch
Assistenzarzt am Schreibtisch
Assistenzarzt am Schreibtisch

Lesedauer: 8 Minuten

22.02.2026

Wichtiger Hinweis: Alle Inhalte dienen nur der Information und stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Keine Haftung für die Richtigkeit. Investieren ist mit Risiken behaftet.

Darum geht's

Kaum ist die Approbation in der Tasche, stehen sie schon vor der Tür: Berater, die genau wissen, was du „unbedingt" brauchst. Oft melden sie sich sogar schon im PJ – mit einem freundlichen Anruf, einer Einladung zum Steuerseminar oder dem Angebot einer „kostenlosen" Berufsstart-Beratung.

Das Problem dabei: Im gesamten Medizinstudium hat dir niemand auch nur eine Stunde lang erklärt, welche Versicherungen du brauchst und welche nur den Umsatz deines Beraters steigern. Genau diese Wissenslücke wird gezielt ausgenutzt – jedes Jahr, tausendfach.

Dieser Artikel gibt dir einen klaren Überblick über dein Versicherungs-Setup zum Berufsstart. Ohne Verkaufsinteresse, ohne Panikmache.

Warum gerade Assistenzärztinnen und -ärzte im Visier stehen

Ärztinnen und Ärzte gehören zu den beliebtesten Zielgruppen von Finanzvertrieben – und das hat System. Du bringst als junge Ärztin oder junger Arzt eine Kombination mit, die für Produktverkäufer nahezu perfekt ist: ein hohes prognostiziertes Lebenseinkommen, praktisch null Finanzwissen aus dem Studium und einen Klinikalltag, der dir kaum Zeit lässt, dich selbst einzuarbeiten. Genau das führt dazu, dass du komplexe finanzielle Entscheidungen an vermeintliche Experten delegierst – an Menschen, die du vielleicht bei einem kostenlosen Seminar an der Uni kennengelernt hast.

Das Muster ist immer das gleiche: Strukturvertriebe bieten dir zunächst etwas Nützliches an – eine Berufshaftpflicht, eine Steuererklärungshilfe, ein Networking-Event. Damit ist der Fuß in der Tür. Was dann folgt, sind oft teure Kombiprodukte, Versicherungen mit hohen Provisionen und Verträge, deren Konsequenzen du erst Jahre später verstehst. Umso wichtiger ist es, dass du selbst weißt, was du brauchst – bevor es dir jemand anderes erzählt.

Die Must-haves – diese Versicherungen brauchst du

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) – dein wichtigstes Sicherheitsnetz

Deine Arbeitskraft ist dein größtes Kapital – und wenn du sie durch Krankheit oder Unfall verlierst, bricht deine gesamte finanzielle Existenz zusammen. Deswegen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) so wichtig.

Ein weit verbreiteter und gefährlicher Irrtum lautet: „Ich bin doch über das Versorgungswerk abgesichert." Das stimmt zwar im Grundsatz, aber die Berufsunfähigkeitsleistung des Versorgungswerks funktioniert völlig anders als eine private BU. Die meisten Versorgungswerke zahlen erst, wenn du zu 100 Prozent berufsunfähig bist – und verlangen dafür oft den Verzicht auf deine Approbation. Du müsstest also deinen Beruf als Ärztin oder Arzt vollständig aufgeben, um Leistungen zu erhalten. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung greift dagegen bereits ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit und ist deutlich flexibler.

Worauf du beim Abschluss achten solltest: Der Vertrag sollte keine abstrakte Verweisung enthalten, also keine Klausel, die dich auf eine andere Tätigkeit (z.B. Gutachten) verweist. Außerdem sind eine Nachversicherungsgarantie (damit du die Absicherung bei Gehaltserhöhungen anpassen kannst) und eine ärztliche Tätigkeitsklausel wichtig.

Und ganz entscheidend: Lass dir keine BU verkaufen, die an eine Rürup-Rente oder eine andere Rentenversicherung gekoppelt ist. Diese Kombination schränkt deine Flexibilität massiv ein – und nützt vor allem dem Vermittler, der daran eine höhere Provision verdient. Risiko absichern und Vermögensaufbau gehören getrennt.

Private Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung ist nicht zu verwechseln mit der Berufshaftpflicht. Sie schützt dich, wenn du im privaten Alltag einen Schaden verursachst – etwa wenn du beim Umzug das Treppenhaus beschädigst oder das Laptop eines Freundes vom Tisch stößt. Klingt banal, kann aber in die Hunderttausende gehen, wenn zum Beispiel ein Personenschaden entsteht.

Eine private Haftpflichtversicherung kostet dich nur wenige Euro im Monat und gehört deshalb in jedes Setup – nicht nur für Ärztinnen und Ärzte, sondern für alle. Achte auf eine ausreichend hohe Deckungssumme (mindestens 10 Millionen Euro pauschal) und darauf, dass Schlüsselverlust und Gefälligkeitsschäden mitversichert sind.

Berufshaftpflicht – und was du als Angestellte oder Angestellter wissen musst

Als angestellte Assistenzärztin oder angestellter Assistenzarzt in einer Klinik bist du in der Regel über den Arbeitgeber haftpflichtversichert – zumindest für alle Tätigkeiten, die du im Rahmen deines Arbeitsvertrags ausübst. Eine eigene Berufshaftpflicht brauchst du in diesem Fall nicht.

Anders sieht es aus, sobald du Nebentätigkeiten aufnimmst: Notarztdienste, ärztliche Gutachten, Vertretungen in einer Praxis oder Tätigkeit im ärztlichen Bereitschaftsdienst. Für solche Einsätze greift der Schutz über den Arbeitgeber nicht – und du brauchst eine eigene Police.

Krankenversicherung: GKV oder PKV?

Die Entscheidung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung ist eine der folgenreichsten finanziellen Weichenstellungen, die du als junge Ärztin oder junger Arzt triffst. Sie verdient deutlich mehr Raum, als ein einzelner Absatz bieten kann – weshalb wir dieses Thema in einem eigenen, ausführlichen Artikel behandeln.

Nur so viel vorab: Die Antwort hängt stark von deiner individuellen Situation ab. Familienplanung, dein geplanter Karriereweg (Niederlassung oder dauerhafte Anstellung), dein Gesundheitszustand und die langfristige Beitragsentwicklung spielen eine zentrale Rolle. Lass dir diese Entscheidung nicht von einem Vertrieb abnehmen, der an deinem PKV-Wechsel verdient.

Die Nice-to-haves – sinnvoll, aber nicht für jeden sofort

Rechtsschutzversicherung

Eine Rechtsschutzversicherung kann sinnvoll sein, wenn du dich gegen arbeitsrechtliche Streitigkeiten absichern möchtest – zum Beispiel bei Problemen mit dem Arbeitsvertrag, ungerechtfertigten Kündigungen oder Konflikten um Überstundenvergütung. Auch der Bereich Mietrecht kann relevant sein, wenn du zur Miete wohnst.

Wichtig zu wissen: Viele Rechtsschutzpolicen schließen Medizinrecht und Arzthaftung explizit aus. Bevor du abschließt, lohnt sich ein genauer Blick in die Bedingungen. Eine Rechtsschutzversicherung ist kein Muss zum Berufsstart, kann aber je nach Situation eine sinnvolle Ergänzung sein.

Hausratversicherung

Ob du eine Hausratversicherung brauchst, hängt vor allem davon ab, wie viel Wert in deiner Wohnung steckt. Als frisch gestarteter Assistenzarzt mit einer möblierten Wohnung ist der Bedarf oft gering. Besitzt du dagegen teurere Elektronik, ein hochwertiges Fahrrad oder E-Bike, kann eine Hausratversicherung durchaus sinnvoll sein. Sie ist kein Pflichtbaustein, aber ein überlegenswerter Schutz bei niedrigen Kosten.

Zusätzliche Altersvorsorge

Altersvorsorge ist streng genommen keine Versicherung – gehört aber trotzdem in dein finanzielles Gesamtkonzept, und zwar möglichst früh. Auch wenn das Gehalt als Assistenzärztin oder Assistenzarzt noch überschaubar ist: Schon kleine monatliche Beträge in einen ETF-Sparplan können über Jahrzehnte einen enormen Unterschied machen – gerade weil du durch das lange Studium ohnehin einen späten Start beim Vermögensaufbau hast.

Der wichtige Punkt: Du brauchst dafür keine teuren Versicherungsprodukte. Ein kostengünstiger, breit gestreuter ETF-Sparplan ist für die meisten Ärztinnen und Ärzte der bessere Einstieg als eine fondsgebundene Rentenversicherung mit hohen Abschlusskosten. Halte Altersvorsorge und Risikoabsicherung konsequent getrennt.

Was du (noch) nicht brauchst – und was dir trotzdem verkauft wird

Unfallversicherung – der Klassiker unter den überflüssigen Policen

Die private Unfallversicherung wird Ärztinnen und Ärzten erstaunlich häufig angeboten. Dabei ist sie in den allermeisten Fällen überflüssig, wenn du bereits eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung hast. Die BU schützt dich nämlich nicht nur bei Unfällen, sondern auch bei Krankheiten – und damit gegen das deutlich häufigere Risiko.

Eine Unfallversicherung kann allenfalls dann sinnvoll sein, wenn du regelmäßig risikoreiche Sportarten betreibst und eine Einmalzahlung bei dauerhafter Invalidität absichern möchtest. Für die meisten Berufseinsteiger ist sie aber kein Thema.

Sterbegeldversicherung, Krankenhaustagegeld und Co.

Es gibt eine Reihe von Versicherungsprodukten, die vor allem mit Emotionen und Angst verkauft werden: Sterbegeldversicherungen, Krankenhaustagegeld oder Pflegezusatzversicherungen für Dreißigjährige. All diese Produkte haben eines gemeinsam – sie lösen Probleme, die du als junger Mensch mit überschaubarer Verantwortung in der Regel noch nicht hast. Sie binden monatlich Budget, das an anderer Stelle besser aufgehoben wäre.

Kapitalbildende Lebensversicherungen und teure Fondspolicen

Kapitalbildende Lebensversicherungen und fondsgebundene Rentenversicherungen werden jungen Ärztinnen und Ärzten besonders gern verkauft – schließlich versprechen sie Absicherung und Vermögensaufbau in einem. In der Praxis bedeutet das aber meistens: hohe Abschlusskosten, die deine ersten Jahre an Einzahlungen vollständig auffressen, geringe Flexibilität und eine Rendite, die weit hinter einem einfachen ETF-Portfolio zurückbleibt.

Die Faustregel ist simpel und bewährt: Versicherung und Geldanlage gehören getrennt. Sichere Risiken über schlanke Versicherungsprodukte ab und baue Vermögen über kostengünstige, transparente Anlageprodukte auf. Alles, was beides in einen Vertrag packt, dient in der Regel dem Provisionsinteresse des Vermittlers – nicht deinem Vermögensaufbau.

So gehst du strategisch vor – dein Versicherungsfahrplan

Schritt 1: Bestandsaufnahme – was hast du schon?

Bevor du irgendetwas Neues abschließt, schau dir an, was du bereits hast. Vielleicht existieren noch Verträge aus der Studienzeit – eine Haftpflicht über die Eltern, eine BU, die dir jemand im dritten Semester verkauft hat, oder eine private Krankenversicherung, die du nicht aktiv gewählt hast. Gleichzeitig solltest du klären, welche Absicherung dein Arbeitgeber stellt: Berufshaftpflicht, betriebliche Altersvorsorge, Unfallversicherung. Erst mit dieser Übersicht kannst du sinnvoll entscheiden, was fehlt.

Schritt 2: Prioritäten setzen

Nicht alles muss sofort passieren. Sichere zuerst die existenziellen Risiken ab – das sind die Berufsunfähigkeitsversicherung und die private Haftpflicht. Alles darüber hinaus – Rechtsschutz, Hausrat, zusätzliche Altersvorsorge – kannst du Schritt für Schritt ergänzen, wenn dein Einkommen wächst und sich deine Lebenssituation ändert. Dein Versicherungs-Setup ist kein starres Konstrukt, sondern wächst mit deiner Karriere.

Schritt 3: Den richtigen Ansprechpartner finden

Dieser Punkt ist vielleicht der wichtigste von allen. In der Versicherungswelt gibt es drei grundlegend verschiedene Rollen, die du kennen solltest: Ein Versicherungsvertreter arbeitet für eine bestimmte Versicherungsgesellschaft und verkauft deren Produkte. Ein Versicherungsmakler ist gesetzlich verpflichtet, in deinem Interesse zu handeln und kann Produkte verschiedener Anbieter vergleichen. Ein Honorarberater wird direkt von dir bezahlt und hat keinerlei Provisionsinteresse.

Die entscheidende Erkenntnis: Kostenlose Beratung ist nie wirklich kostenlos. Wenn du für eine Beratung nichts bezahlst, bezahlst du über die Provisionen in den Produkten – oft über Jahrzehnte hinweg und ohne es zu merken. Ein guter Berater beantwortet dir offen, wie er vergütet wird, vergleicht mehrere Anbieter und drängt dich nie zu einem schnellen Abschluss.

FAQ – Häufige Fragen zum Versicherungs-Setup

Reicht die Berufsunfähigkeitsabsicherung über das Versorgungswerk?

Nein. Die meisten Versorgungswerke zahlen erst bei vollständiger Berufsunfähigkeit und verlangen den Verzicht auf die Approbation. Eine private BU greift bereits ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit und bietet damit einen deutlich umfassenderen Schutz.

Soll ich meine BU mit einer Rürup-Rente kombinieren?

In den allermeisten Fällen: Nein. Die Kombination wird häufig mit dem Argument der Steuerersparnis verkauft, schränkt dich aber massiv ein. Du kannst die BU nicht mehr unabhängig von der Rente anpassen oder kündigen. Und der vermeintliche Steuervorteil wird oft durch die hohen Produktkosten und die spätere Besteuerung der Rente wieder aufgefressen. Halte Absicherung und Altersvorsorge konsequent getrennt.

PKV oder GKV – was ist besser für mich als Assistenzärztin oder Assistenzarzt?

Das hängt von vielen individuellen Faktoren ab: Familienplanung, Karriereziel, Gesundheitszustand und langfristige Beitragsentwicklung. Eine pauschale Antwort gibt es nicht – aber eine gut informierte Entscheidung ist immer besser als eine, die dir ein Vertrieb abnimmt. Nimm dir für dieses Thema ausreichend Zeit und ziehe unabhängige Quellen heran.

Wie viel sollte ich insgesamt für Versicherungen ausgeben?

Es gibt keine feste Zahl, aber eine klare Priorität: Sichere zuerst die existenziellen Risiken ab – BU, Haftpflicht, Krankenversicherung. Alles darüber hinaus ist optional und sollte zu deiner aktuellen Lebenssituation passen, nicht zum Umsatzziel eines Beraters. Wenn du dich an die Grundregel hältst, erst existenzielle Risiken abzusichern und alles andere schrittweise zu ergänzen, liegst du richtig.

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